Nordsee-Gipfel: Natur oder Energie?
BUND fordert naturverträglichen Ausbau von Windenergie und Wasserstoff, kritisiert CCS und mahnt Schutz für Wattenmeer und Meerestiere an

Artikel anhören
Im Vorfeld des internationalen Nordsee-Gipfels am 26. Januar in Hamburg rückt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die zentrale Bedeutung naturverträglicher Maßnahmen für den Offshore-Ausbau in der Nordsee in den Fokus. Die Nordsee gilt als eines der am stärksten genutzten Meeresgebiete weltweit und steht angesichts ehrgeiziger Pläne für Windenergie und Wasserstoffinfrastruktur unter zunehmendem Nutzungsdruck.
Gleichrangigkeit von Klima- und Meeresschutz gefordert
Der BUND betont, dass der Ausbau erneuerbarer Energien zwar entscheidend für den Klimaschutz ist, jedoch nicht auf Kosten des Naturschutzes stattfinden darf. „Nord- und Ostsee befinden sich in einem schlechten ökologischen Zustand. Ein weiterer massiver Ausbau auf Kosten der Artenvielfalt und des Meeresschutzes darf nicht erfolgen,“ mahnt der Verband. Insbesondere das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer sieht der BUND bedroht, sollten Projekte ohne starke ökologische Leitplanken umgesetzt werden.
Schutzgebiete als Rückgrat des Naturschutzes
Laut BUND müssen Meeresschutzgebiete und sensible Räume wie das Wattenmeer und seine Pufferzonen bestmöglich freigehalten werden. Industrielle Nutzungen durch Offshore-Anlagen, Kabeltrassen oder Wasserstoffpipelines sollen die Schutzgebiete nicht entwerten. Die marine Raumordnung müsse konsequent dem folgen und Naturschutzflächen verbindlich sichern.
Zunehmender Druck durch verschiedene Nutzungen
Ein Kernpunkt der Kritik ist die unzureichende Berücksichtigung kumulativer Auswirkungen – also der geballten Belastung durch Windparks, Netzanbindungen, Schifffahrt, Öl- und Gasförderung, Fischerei sowie militärische Nutzung. Der BUND fordert verbindliche gemeinsame Bewertungsinstrumente, um den Gesamtbelastungsdruck auf die Nordsee zu mindern.
Bedrohung für Artenvielfalt durch Lärm und Infrastruktur
Besondere Sorge bereitet dem BUND die zunehmende Belastung empfindlicher Arten wie Schweinswale oder Seevögel. Unterwasserlärm durch Bauarbeiten und Schiffsverkehr überschreitet vielerorts bereits kritische Schwellenwerte. Der Verband fordert daher grenzüberschreitend abgestimmte Lärm-Schwellenwerte sowie lärmmindernde Maßnahmen als Standard. Zudem müssten Flugkorridore sowie Rast- und Nahrungsgebiete von Seevögeln stärker in Planungen einfließen.
Kritik an CCS-Technologie und Wasserstoffausbau
Der geplante Aufbau von Wasserstoffinfrastruktur wird vom BUND kritisch gesehen: Wasserstoff dürfe nur mit erneuerbaren Energien erzeugt und müsse auf das notwendige Maß begrenzt bleiben, um neue Umweltprobleme zu vermeiden. Noch deutlicher ist die Ablehnung gegenüber der CCS-Technologie (). Der BUND nennt sie eine „teure Illusion“ und warnt vor einem Freibrief für fossile Energieträger.
Anforderungen an den Nordsee-Gipfel
Ausdrücklich kritisiert wird vom BUND die bislang mangelhafte Einbindung der Zivilgesellschaft in die Gipfelvorbereitungen. Die Gestaltung der Zukunft der Nordsee dürfe nicht ausschließlich zwischen Politik und Industrie ausgehandelt werden.
Chance auf Vorbildcharakter für nachhaltige Energiewende
Der Nordsee-Gipfel biete nach Ansicht des BUND die Gelegenheit, den Nordseeraum zur Modellregion für eine naturverträgliche Energiewende zu machen. Voraussetzung sei, dass Klima- und Biodiversitätsschutz gleichrangig behandelt und ökologische Leitplanken effektiv festgelegt werden.
Positionspapier der Umweltverbände Offshore_Verbändepapier_Januar.pdf
Eigene Anzeige
Hier könnten Ihre Neuigkeiten stehen
Erreichen Sie Menschen in dieser Region – transparent als Anzeige gekennzeichnet.